Die Legende

- Wie das Maskottchen des TC RW Hochstetten zu seinem Namen kam! –

Vorwort

Passend zur Weihnachtszeit möchten wir in einzelnen spannenden und schön erzählten Episoden die wahre Geschichte zu unserem Tennismaskottchen übermitteln und auch den Namen preisgeben. Das Handwerkzeug hierzu lieferten uns unzählige Gespräche mit Zeitzeugen und viel Literatur zu der Entstehungsgeschichte von Hochstetten, denn es musste auch recherchiert werden, wie die Affen nach Hochstetten kamen.

Episode I

Lange, lange ist es her, da entstand in der Oberreihnischen Tiefebene zwischen Basel und Bingen, eingebettet in den Erhebungen des Schwarzwaldes, den Kraichgauer Hügeln und dem Odenwald sowie den linksrheinisch gelegenen Vogesen, dem Pfälzerwald und dem Hunsrück, ein kleines Dorf. Erstmals fand es Erwähnung in einer Urkunde um das Jahr 1103. Dieses kleine Fleckchen Land erhielt den Ortsnamen Hoanstat und sollte später in der Legende den Namen Hochstetten erhalten. Der Große Wald und der damals noch unbändige Rhein machte Hoanstat zu einem beliebten Ziel für Handwerker, Holzfäller, Bauern und Viehzüchter, selbstwohl wenn auch viele Wandersleut auf der Durchreise hier halt machten. Es muss wohl für viele ein sehr schönes Bild gewesen sein, diesen schönen Wald, den kräftigen Fluss , das angenehme Klima und nebenbei in der Ferne die hohen Berge sehen zu können, so dass sich viele der Durchreisenden hier an diesem schönen Fleck Erde niederließen. Wenn man von der Flußseite nach Hoanstat reisen wollte, dann musste man zwischen dem Stromkilometer 375,2 und 376,8 anlegen.

Episode II

Nun schreiben wir das Jahr 1248 und wegen des immer wiederkehrenden Hochwassers entschied man sich, den Ortskern von Hoanstat doch weiter vom Fluss zu entfernen, wenn auch am Rhein ein sehr reger Handel stattfand. Es ist in der Geschichte vermerkt, dass ein kleiner Junge namens Johann, der mit seiner Familie erstmals auf Flussfahrt war, dort Halt machte. Sie waren auf der Durchreise von der Schweiz an die Nordsee. Das milde Klima und die schönen großen Bäume in den Rheinauen hinterließen wohl einen bleibenden Eindruck, denn der kleine Johann beschloss zu diesem Zeitpunkt, dass er irgendwann später einmal wieder an diesen Ort zurückkehren wolle. Der Vater des kleinen Johann, Sebastian von Dürren, und seine Frau notierten sich deshalb den Namen des Ortes, an dem sie angehalten hatten, damit ihr Sohn später hierher zurückkehren konnte. Ohne es zu ahnen war die Familie von Dürren an einem ereignisreichen Tag angereist, denn im Gasthaus zum Goldenen Anker feierte man gerade den neuen Namen des Ortes, an dem Sie heute auch noch übernachten sollten. Am Stammtisch erzählte man sich, dass der Name Hochstetten abgeleitet wurde von einem Ort, der deutlich erhöht am Gestade eines Gewässers gelegen war. Als Johann seinen Vater immer öfter fragte, wie er sich doch den Weg zu diesem schönen Ort merken könne, suchte Herr von Dürren im Goldenen Anker das Gespräch mit dem Vogt von Hochstetten, der damals so etwas ähnliches war wie ein Bürgermeister. Der damalige Vogt, Herr Erkenbert, der einen sehr gebildeten Eindruck auf ihn machte, war nicht nur eine gestandene Person sondern sah mit seinem langen weißen Bart auch sehr vertrauenswürdig aus. Die Zeit verging wie im Flug im Gasthaus und man beschloss nun zu Bett zu gehen. Am nächsten Morgen verabschiedete man sich beim Vogt und machte sich mit einer Kutsche mit einem sehr schönen Pferdegespann auf dem Weg zum Rhein. Johann hatte es sich gerade auf einem kuscheligen Schaafsfell schön gemütlich gemacht, als an der rechten Seite des Wegrandes ein Klosterbauhof auftauchte, umschlossen von einer alten Klostermauer. Johann bemerkte es nicht gleich, aber es saßen bestimmt ein Duzend Eidechsen dort auf der Klostermauer und sonnten sich. Der kleine Johann fand dies so schön anzusehen, dass er die Augen schloss und sich überlegte, welche Tiere sich wohl hier noch zum Sonnenbad versammelten. Auf dem Schiff angekommen fragte Johann seine Eltern, wann sie denn hier wieder herkommen würden und seine Mutter antwortete daraufhin mit sanfter Stimme: „Mein Sohn, wir sind vor vielen, vielen Tagen in Graubünden aufgebrochen, sind nun bis hierher gekommen und werden noch eine lange Zeit reisen, bis wir über die Mündungsarme des Rheins und über die Grafschaft Holland an die Nordsee kommen. Es werden also noch viele Vollmonde vergehen, bis wir hier wieder sein werden.“ Sein Vater fügte noch hinzu: „Weißt Du eigentlich, dass in unserer Heimat in Graubünden das Quellgebiet des Rheins entspringt?“... aber das bekam Johann schon nicht mehr mit und war mal wieder eingeschlafen. Es vergingen viele, viele Jahre und aus Johann wurde ein erwachsener Mann, ohne dass er jemals wieder den Weg nach Hochstetten fand. Johann war weit herum gekommen und schrieb sich immer noch die schönsten Punkte seiner Reise auf. Das Buch, welches er sich an einem orientalischen Ort eigens hatte anfertigen lassen, nutzte er für seine Notizen. Durch seine dicke Lederhülle war das Buch vor Wind und Wetter geschützt und erlebte ebenso wie Johann das ein oder andere Abenteuer auf ihren Reisen. So kam die Zeit, als das Buch an den Sohn von Johann übergeben wurde. Von da an wurde das Buch in der Familie von Dürren von Generation an Generation weitergegeben ... bis im Jahre 1589, als abermals ein Familienmitglied der von Dürren auf der Durchreise in Hochstetten Halt machte. Wieder einmal sollte es ein richtiger und wichtiger Zeitpunkt sein, an diesem schönen Ort in den Rheinauen anzuhalten. Denn in diesem Jahr war ein Herr Johann Roth Ortsvorsteher und machte den Bürgern von Hochstetten sowie den Durchreisenden die Offerte Ackerland zu kaufen. Erstmalig in der Dorfgeschichte wurde dieser Schritt vollzogen, um die knappe Ortskasse mit Gulden zu füllen. Zwar war es keine riesige Fläche, jedoch konnte man mit 83,25 Morgen schon einiges anfangen. Albrecht von Dürren, der sich durch das lederne Buch seiner Ahnen daran erinnert fühlte, beschloss diese Möglichkeit zu nutzen und kaufte ein großes Stück Ackerland. Da Albrecht ein gewiefter Kaufmann war und wie schon seine Vorfahren rastlos und immer auf der Durchreis, beschloss er kurzer Hand sein neu erworbenes Stückchen Land zu verpachten. Da es jedoch sein erster Besuch in diesem anschaulichen Ort war, wollte er einen Gasthof aufsuchen, um mit den Bürgern ins Gespräch zu kommen. Und so kam es, dass auch er im Golden Anker Platz nahm und bei Essen und Wein einen jungen Mann beobachte, der lautstark über seinen Viehhandel sprach und klagte, dass er nicht genug Weide für seine jungen Kälber hatte. Albrecht nutzte seine Chance und fing ein Gespräch mit dem jungen Mann an. Der Viehzüchter hieß Jörg und war angetan von dem Vorschlag, den ihm Albrecht machte. Wenngleich es mittlerweile schon sehr spät war, wurde auf einem Tischtuch der Pachtvertrag zwischen beiden geschlossen. Nun wurde es für Albrecht Zeit, in sein Zimmer zu gehen und er verbrachte seine erste Nacht im Goldenen Anker.

Episode III

Nach einer kurzen Nacht stand Albrecht mit dem ersten Hahnenschrei auf und setzte sich zum Frühstück an einen Tisch, um ein zweites Exemplar seines auf einem Tischtuch geschlossenen Vertrags anzufertigen. Mit Jörg wollte sich Albrecht am Anlegersteg treffen und dies, wenn die Mittagssonne am höchsten steht. Nun wollte er noch schnell seine sieben Sachen packen und verstaute alles in einem extra für die weiten Reisen angefertigten überdimensionalen Seesack. Oben hatte der Reisesack große silberne Ösen, durch die kräftige Lederstriemen eingefädelt waren und wenn man an diesen feste zog wurde der Seesack so verschnürt, dass nicht einmal ein Tropfen Wasser hinein gelangte. Auf der Vorderseite hatte sich Albert eine Tasche aufnähen lassen, in der er immer sein Reisebuch steckte, in dem er alle seine Reiseerlebnisse notierte. Unter dem Sack war ein Geheimfach eingenäht – man konnte dies aber nicht sehen. Es war eine sehr dicke Bodenplatte angebracht worden, die im Inneren des Seesackes aber hohl war. In dem doppelten Boden war das Buch seiner Ahnen untergebracht, seine Goldmünzen und seine Gulden. Ebenfalls befand sich eine Taschenuhr darin und ein Kompass, den er immer wieder auf seinen langen Reisen benötigte, wenn er über eine Handelsroute reiste, die er noch nicht kannte. Mittlerweile stand die Sonne schon ziemlich hoch, so dass Albrecht aufbrechen musste, wenn er sich noch pünktlich mit Jörg treffen wollte. Von weitem sah er schon Jörg am Ufer des Rheins stehen. Beide begrüßten sich und Albrecht gab Jörg den zweiten Vertrag zur Unterschrift, damit er auch ein Exemplar mit auf die Reise mitnehmen konnte. In dem Schriftstück wurde festgehalten, dass der Pachtvertrag für das Ackerland in Hochstetten über Generationen Gültigkeit haben sollte, so lange die von Dürrens dies befürworten würden. Anschließend ging Albrecht von Dürren auf das Schiff und legte genau um 14.30 Uhr ab. Diesmal wollte er über Holland nach Großbritannien reisen und dann in Irland, genauer in Dublin, ein kleines Landschloss erwerben und dort Whisky produzieren und lagern. In Holland am großen Meer angekommen schnappte er sich das nächste Schiff und ging mit Sack und Pack an Bord. Es sollte eine stürmische Seefahrt werden, bei der es ihm richtig übel wurde. Nach sechs Tagen der Überfahrt ging er an der Ostküste von Großbritannien an Land. Albrecht wollte jetzt erst einmal einen Gasthof aufsuchen, um mal wieder eine ruhige Nacht haben zu können, ohne dass sich der Boden mit jeder Welle von rechts nach links bewegte. Wenn gleich ihm der Preis für die Übernachtung doch ziemlich hoch vorkam, nahm er das erste Angebot in dem Gasthof Schiffsruine an. Am nächsten Tag ging es weiter nach Dublin, wo er drei Tage später aufschlagen sollte. In der Hauptstadt angekommen traf er auf dem Marktplatz einen alten Freund. Diesem war er auf vielen Reisen begegnet und daraus war eine Männerfreundschaft entstanden. Jamira, so hieß sein alter Freund, betrieb mittlerweile einen exotischen Jahrmarkt mit vielen unbekannten Speisen und seltenen Tieren, die man bei ihm gegen kleines Geld ansehen konnte. Da er mit seinem Jahrmarkt am Fuße eines großen Landschlosses kampierte, wusste er, dass dieses zum Verkauf stand. Und da ihm Albrecht erzählt hatte, so etwas kaufen zu wollen, erzählte er ihm davon. Beide gingen auseinander und verabredeten sich für den nächsten Tag auf seinem Jahrmarkt. Als sich beide Freunde am nächsten Tag trafen, konnte Albrecht von Dürren bereits den Kauf des Grundstücks mit dem schönen kleinen Schloss vermelden. Die beiden erzählten und erzählten und nach einigen Stunden sagte Jamira zu Albrecht: „Komm, ich zeige dir meine Tiere, die ich aus dem Dschungel in Uganda mitgebracht habe.“ Albrecht traute seinen Augen nicht, als er hinter einem großen roten Vorhang etwas sah, das einem Menschen sehr ähnlich war – allerdings sehr stark behaart. Und als sein Freund dem Tier eine Banane zu Essen gab und dieses Tier sie wie ein Mensch öffnete, frage Albrecht ihn was dies denn für ein Tier sei? Jamira antwortete, dass das ein Bonobo sei und er gehöre zu der Gattung der Schimpansen. Er habe einen Mann namens Darmin getroffen, welcher ihm diesen und einen weiteren Bonobo zu einem sehr hohen Preis verkauft hatte, weil es sich bei diesen beiden Bonobos um ein Weibchen und ein Männchen handelte. Außerdem versprach er Darwin die Entwicklung der beiden Schimpansen aufzuschreiben und ihm diese regelmäßig zu schicken. Darwin war auf einer Reise in Uganda gelandet und hatte zwei Pärchen vor Wilderern gerettet und mitgenommen. Unterwegs hatte er jedoch gemerkt, dass er nicht genug zu Essen für alle vier Tiere aufbringen konnte. So musste er notgedrungen zwei davon verkaufen um genügend Geld für das Essen für die anderen Tiere zu haben. Albrecht war sehr fasziniert von den Ausführungen seines Freundes und von den Schimpansen und bemerkte gar nicht, wie still es um sie geworden war. Mittlerweile war es Vollmond, die beiden verabschiedeten sich und er lief seinen Hügel im Mondlicht hoch zum Schloss. Er war so aufgeregt von dem vergangenen Tag, dass er zuerst den Kamin anmachte und sein Buch nahm und das Erlebte niederschrieb. Die Äffchen ließen ihm jedoch keine Ruhe und so suchte er in seinem Kaminzimmer einen Bleistift und fing an, die Bonobos in seinem Buch zu zeichnen. Albrecht merkte erst, dass er beim Malen eingeschlafen war, als ihm sein Stift aus der Hand auf den steinigen Boden viel und er dabei erschreckte und aufwachte. 

Episode IV

Albrecht stand aus seinem Sessel auf, ging zum Kamin und schob die goldene Glut mit einem schweren Eisen sachte nach hinten an die Kaminmauer. Dann stellte er das schwere Eisen vor die Kaminöffnung. Das Buch und den Stift legte er auf einen kleinen Beistelltisch neben seinem Kaminsessel und ging dann hoch in sein Schlafzimmer. Die Zeit verging... Tagein, tagaus half Albrecht seinem Freund Jamira bei der Beobachtung der Bonobos – und am Monatsende schickten sie ihre Aufzeichnungen immer an Darwin nach Europa auf das Festland. Bei der ständigen Beobachtung der Bonobos lernte Albrecht das schöne Stallmädel Karin kennen und verliebt sich in sie. Wie sollte es auch anders kommen ... die beiden heirateten einige Monate später an einem lauwarmen Sommerabend im Juli 1625. Albrechts Freund Jamira begleitete dieses tolle Fest und wurde sogar der Trauzeuge seines alten Wegbegleiters. Keine zwei Jahre später bekamen Albrecht und Karin einen Sohn namens Sven. Abermals verstrich die Zeit wie im Flug und Albrecht von Dürren und seine Frau sahen ihren Sohn zu einem jungen Mann heranwachsen, bis im Jahre 1645 ein Bote am Schloss halt machte und den Hausherren sprechen wollte. Es herrschte ein wenig Aufregung am Burgschloss, denn der Fremde sah ganz anders aus und sprach mit einem seltsamen klingenden Dialekt. Der Diener von Albrecht von Dürren, der dem Boten auch die Türe geöffnet hatte, verstand einfach nicht, was er sagte. Der Bote, der aus der oberrheinischen Tiefebene kam, sprach deshalb mit langsamen Worten:

„Aus de gute alte Zeit

Wes ich so manche Geschicht,

Die ich erfrot und uffgeschrib

Un hon davun bericht.“

Der Diener brachte den Gast in das Kaminzimmer und gab ihm eine schöne Tasse Tee zu trinken. Albrecht, der mittlerweile ein alter Mann geworden war, ließ sich von seinem Sohn Sven die Treppe herunterbringen und stützte ihn, damit er gesunden Fußes die frisch gebohnerte Holztreppe herunterkam. Im Kaminzimmer angekommen setze er sich in den anderen Kaminsessel, der mit grünem Seidenstoff umhüllt war. Nun, nachdem er in seinen Sessel gesunken war, kam Sven und hob die Beine seines Vaters liebevoll hoch und schob einen Fußschemel unter seine Beine. Der Diener brachte seinem Herrn noch ein Glas Whisky und verließ den Raum, damit die beiden Herren sich in Ruhe unterhalten konnten. Nun fragte Albrecht seinen Gast, was er denn zu berichten hätte? Der Bote, der eine schwere Holzkiste dabei hatte, sprach erneut folgendes:

„Aus de gute alte Zeit

Wes ich so manche Geschicht,

Die ich erfrot und uffgeschrib

Un hon davon bericht.“

Der Gast sprach, dass er neben einem großen Betrag an Gulden und verschiedenen Schriftstücken, die er mit sich führte, auch noch viele Geschichten aus dem alten Europa mit dabei hatte. Man konnte spüren, dass es beiden Herren sehr viel Spaß bereitete, dem jeweiligen Gegenüber zu erzählen, was in den letzten 60 Jahren passiert war. Albrecht von Dürren freute sich so über seinen Besucher, dass er ihn bat mit ihm zu Abend zu essen und doch über Nacht in seinem Haus zu bleiben. Auch beim Dinner erzählten sich die beiden Herren viel und lasen sich gegenseitig Notizen und Briefe vor, unter anderem auch über die Forschung an den Bonobos. Der Bote war ganz Ohr, was er über die Schimpansen erfuhr und sollte nun auch die Briefe von Darwin vorlesen, denn Albrecht fiel es mittlerweile schwer die Briefe über längere Zeit in den Händen zu halten und zu lesen. Es war erstaunlich, was die Familien von den Äffchen erforscht hatten und wie ähnlich diese faszinierenden Tiere den Menschen doch waren. Albrecht führte aus, wie es ihm gelungen war, das erste Äffchenbaby auf die Welt zu bringen.

Am nächsten Morgen fragte er seinen Gast, ob er denn wüsste, wie es um sein Ackerland in Hochstetten bestellt war. Selbstverständlich sah er, was er die Jahre eingenommen hatte, aber dennoch interessierte es ihn wie es um den Ort und die angrenzenden Ländereien stand. Schlagartig kippte die doch zuvor gute Stimmung, denn es sollte wohl ein Krieg in diesem Land herrschen.

Kurzerhand beschloss Albrecht seinen Sohn Sven dorthin zu schicken, um mit seinem Gefolge nach dem Rechten zusehen. Sven hatte eine gute Schulbildung genossen und war außerdem handwerklich sehr begabt, so dass er genau der richtige Mann war für diese Mission. Keine fünf Wochen später machte sich Sven mit seinem Gefolge auf den Weg nach Hochstetten. Was er zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen sollte war, dass es das erklärte Ziel der französischen Könige war, die Landesgrenzen marktpolitisch und durch Länderexpansion wesentlich zu erhöhen, was durch verschiedene Kriege erfolgen sollte.

Sven nahm die Handelsroute, die auch schon sein Vater genommen hatte. Von ihm bekam er den weitgereisten Seemannsack mit, in dessen doppeltem Boden das Buch seiner Ahnen untergebracht war sowie Gulden und der Kompass der Familie, um für alle Fälle gewappnet zu sein. Über Holland fuhr auch er den Rhein hinab und hielt mit seinem Gefolge an Rheinkilometer 375,2 an.

Auch Sven entschloss sich mit seinen Leuten im Goldenen Anker einzukehren und dann am nächsten Tag sein Ackerland zu besichtigen. Außerdem musste Sven noch den Nachfolger von Jörg kennenlernen, damit er entscheiden konnte, welcher der neue Pächter seiner Ländereien werden sollte. Als Sven von Dürren am nächsten Tag gerade mit seinem Gefolge aus dem Haus gehen wollte, tauchte ein Bote des Kurfürsten Friedrich des V. auf. Dieser erzählte ihm von dem Konfessionskrieg zwischen den Bündnissen der evangelischen „Union“ und der katholischen Liga. Aus diesem war bereits ein langer Krieg geworden, welcher in die Geschichtsbücher einging als der Dreißigjährige Krieg. (1618-1648). Und als Sven seinen Blick in die Ferne schweifen ließ, merkte er, dass er nichts merkte – niemand, also wirklich niemand war auf der Straße. Und auch die Gebäude befanden sich wirklich in keinem guten Zustand. Sven bedankte sich für die übermittelten Informationen und ritt mit seinem Pferd und mit drei Begleitern zu seinem Ackerland am Ortsrand von Hochstetten.

Episode V

Als Sven bei seinem Ackerland ankam, traute er seinen Augen kaum, denn das Land sowie der kleine angeschlossene Bauernhof sahen sehr verlassen aus. Die Felder bestachen mehr durch das sprießende Unkraut als dass man hätte sehen können, welches Gemüse hier angebaut wurde. Plötzlich rief einer der Begleiter seinem Herrn zu: „Sieh mal, da ist jemand!“. Sven eilte herbei und erblickte in einer alten Scheune, die von Efeu umwuchert war, einen jungen Mann. Langsam gingen die beiden Männer aufeinander zu und stellten sich vor. Christian, so hieß der junge Mann, erzählte, dass viele den Ort verlassen hatten, um in den Krieg zu ziehen. Und so war es auch dessen Herrn (Jörg) ergangen, der eines Tages einfach vom hiesigen Militär eingezogen wurde. Dadurch war es ihm nicht mehr möglich, den Hof weiter zu versorgen und Personal war nicht auffindbar. Nun ja, beide fanden sich wohl ganz sympathisch und beschlossen den Hof nun gemeinsam mit dem Gefolge von Sven von Dürren zu bearbeiten. Es dauerte ein paar Tage, bis er sich ein Bild machen konnte, wie es um den Hof bestellt war, und auch Hochstetten sah anders aus als es ihm sein Vater erzählt hatte. Die Einwohnerzahl war auf 55 Personen geschrumpft. Dies war wohl ein Hauptgrund, weshalb Sven beschloss, dass es so weder mit dem Bauernhof noch mit dem Ort weitergehen dürfe. Viele Materialen hatte Sven von Dürren mitgebracht wie Pflanzen, Ziegel und allerlei Werkzeuge. Er war sich sicher, hier konnte er nun alles, was er gelernt hatte, anwenden.

Einige Tage später fiel sein Augenmerk auf eine größere Wiese, die ganz in der Nähe seines Bauerhofs gelegen war und ihm sehr gefiel. Die Gänsewiese wollte er unbedingt erwerben, denn Geld hatte er genügt dabei. Nun musste er nur noch jemanden finden, dem er dieses schöne Stückchen Erde abkaufen konnte. Der Vogt Hans Seyferdt traf sich wenige Tage später mit Sven und verkaufte ihm die Gänsewiese, die unter den Einheimischen „Hanaufreeds“ genannt wurde. Jedoch musste Sven eine Auflage erfüllen – er sollte den Kirchturm in Hochstetten renovieren. Sven gefiel dieser Gedanke auch hier Hand anzulegen und er willigte ein. Viele Monde gingen von nun auf und ab und Sven hatte mit seinem Gefolge den Hof wieder hergestellt und die Felder bestellt. Ganz gespannt war er, ob seine Tabakpflanzen die lange Reise überstanden hatten und ob es möglich war, hier die Tabakblätter erfolgreich anzubauen und zu ernten. Seine Strategie war ganz klar darauf ausgelegt der Erste zu sein, der in der Oberrheinischen Tiefebene diese Pflanze anbaute und er würde dann mit Sicherheit mit diesem Erzeugnis einfach weiter Angestellte finden können und der Hof könnte dann weiter wachsen und durch die Einnahmen aus dem Verkauf mehr Einwohner ernähren. Man konnte sagen, dass Sven nun in Hochstetten angekommen war und auch die ein oder andere Frauenbekanntschaft machte. Eine davon hatte es ihm besonders angetan und zwar eine junge Frau, deren Familie eine Schreinerei hatte, bei der er in den vergangen Monaten sehr viel Material erworben hatte. Ständig benötigte er Holz und Mitarbeiter der Schreinerei Krebs, um seinen Hof umzubauen. Und so kam es, dass er eines Tages mit der Tochter des Haues zusammenkam und Sophie, so hieß die junge Frau, bei ihm einzog.

Schnell waren wieder einige Jahre ins Land gestrichen und Sven schickte einen Boten mit einer Nachricht in seine Heimat, um von den Ereignissen in Hochstetten zu berichten. Wieder einige Zeit später erhielt auch er eine Nachricht. In dieser stand, dass der alte Freund der Familie, Jamira, ebenfalls seinen Sohn schicken wollte, um mit seinem orientalischen Marktplatz und den Tieren eine Reise auf das Festland zu unternehmen. Der Plan sei wohl eine Tour quer durch Europa zu beginnen und der Start sollte auf der Gänsewiese in Hochstetten sein. Sven freute sich sehr über diesen möglichen Besuch und wollte die Gänsewiese besonders schön her richten. Um dem orientalischen Markt mit den vielen Tieren auch einen Markplatz bieten zu können, sollte der innere Bereich der Wiese mit schönen Steinen gepflastert werden. So würden die Besucher dann mit sauberen Füßen von Stand zu Stand laufen und die Köstlichkeiten genießen können. 1680 war es dann soweit und Sven hatte sein Versprechen wahr gemacht. Er hatte den Kirchturm, der 1472 bis 1479 erbaut wurde, restauriert. Kaum einer wusste, dass die in Hochstetten erbaute Kirche an einem markanten Punkt des Ortes lag (nämlich 8´24´53 Ost und 49´08´13 Nord) und gleichzeitig mit 110 Metern über dem Meeresspiegel der höchste Punkt in Hochstetten war. In diesem Sommer konnte dann auch der Marktplatz auf der Gänsewiese fristgerecht fertig gestellt werden und war gut vorbereitet für den orientalischen Markt. Am 9 Juli kam Lorenz, so hieß der Sohn von Jamira, mit seinem Jahrmarkt und seinen Tieren an. Lorenz gefiel das Stückchen Land, auf dem er aufschlug, sehr und die saftige Wiese erinnerte ihn an seine Heimat. Zwei Tage nach der Ankunft gab es dann ein riesiges Fest in Hochstetten auf der Gänsewiese, vielleicht das größte Fest, das es bis dato an diesem Ort gegeben hatte. Mittlerweile hatte Hochstetten 151 Einwohner und wirklich alle kamen, um bei dieser Eröffnung dabei zu sein.

Auch aus den umliegenden Gemeinden kamen viele Zuschauer, um die Köstlichkeiten zu probieren und die exotischen Tiere zu bestaunen. Das Bonobo-Pärchen war dabei der absolute Höhepunkt, denn ob groß oder klein, niemand aber auch wirklich niemand in Hochstetten hatte so etwas zuvor gesehen. Bis in die Nacht hinein dauerte die Premierenveranstaltung und es sollte sich später heraus stellen, dass alle drei „Pärchen“ (Lorenz und seine Frau, Sven und seine Sophie sowie das Affenpärchen) ihren Nachwuchs in dieser Nacht zeugten. Ein herrlicher Sommer ging in der Oberreihnischen Tiefebene zu Ende und Lorenz Gribaldi zog mit seinem orientalischen Markt weiter und versprach wiederzukommen. Auch Sven machte sich bereit die Gänsewiese - auch „Hanaufreeds“ genannt - sowie seinen Hof winterfest zu machen. Bei den von Dürrens sollte ein schönes neues Jahr beginnen mit dem Familiennachwuchs, aber in den darauf folgenden Jahren sollten dem Ort unruhige Zeiten bevorstehen. Der Pfälzische Erbfolgekrieg sollte im Jahre 1688 beginnen und erst Ende 1697 wieder zu Ende gehen. Die Sprösslinge der beiden befreundeten Familien wurden größer und größer und der nächste Krieg stand vor der Haustüre. Nun kam der Spanische Erbfolgekrieg, welcher von 1701 bis 1714 andauerte. Beiden Familien ging es den Umständen entsprechend dennoch gut und so kam es, dass im Jahre 1718 wieder einmal der orientalische Markt in Hochstetten aufschlug.

 

Episode VI

 

Ganz Hochstetten stand Kopf und freute sich auf den bevorstehenden orientalischen Jahrmarkt. Die Familien der von Dürrens und der Gibaldis hatten ihren Söhnen jeweils das Familienzepter in die Hände gegeben und führten damit die Tradition der Eltern fort. Christian, der jüngste Sprössling der von Dürrens, war kaufmännisch sehr geschickt und hatte schon im Vorfeld dieses Ereignisses in sämtlichen angrenzenden Ortschaften Eintrittskarten verkauft. Sogar nach Philippsburg war er gereist, um den in der dortigen Festung stationierten Soldaten Tickets zu verkaufen. Momentan befand man sich in Friedenszeiten, aber Christian wusste noch nicht, ob die Festung zu Philippsburg zu diesem Zeitpunkt von französischen oder deutschen Streitkräften besetzt war. Zu seiner Freude waren deutsche Soldaten in der Festung untergebracht und so fiel es ihm in seiner Muttersprache leicht über 400 Eintrittskarten an den Mann zu bringen. Bei den Gibaldis wollte eigentlich der Sohn der Familie die Reise mit dem orientalischen Jahrmarkt nach Hochstetten antreten, aber kurz vor der Abreise wurde dieser schwer krank und deshalb musste seine Schwester Silvia diese Angelegenheit der Familie übernehmen. Silvia Gibaldi war die erste Frau in der Familie der Gibaldi, die in Dublin studieren durfte. Und da sie sich schon immer sehr für Tiere interessierte, absolvierte sie erfolgreich ein Tiermedizinstudium. So lag es auf der Hand, dass Silvia die perfekte Voraussetzung für dieses Abenteuer hatte. Neben den Köstlichkeiten und den Tieren nahm Silvia auch einen großen Edelstein namens Lapislazuli mit auf die Reise nach Hochstetten. Christian von Dürren wollte, dass dieses Fest besonders wird, denn es sah so aus, als ob über 100 Leute zu diesem besonderen Anlass kommen wollten. Deshalb beschloss Christian vor dem Eingang zur Gänsewiese ein kleines Häuschen aufzustellen, damit die Masse an Menschen geordnet in den orientalischen Jahrmarkt würde eintreten können. Dies alleine schien Christian jedoch nicht ausreichend zu sein, deshalb befragte er seine Freunde und die Angestellten des Hofes nach dessen Ideen. Nach langem Hin und Her beschloss man einen hohen Zaun um das Gelände herum zu bauen, damit man für die Tiere vielleicht das ein oder andere Zelt nicht mehr benötigen würde, da ja dann das gesamte Grundstück umschlossen wäre. Als Silvia Gibaldi mit ihrem Jahrmarkt in Hochstetten ankam, war ein herrliches Wetter und die sehr groß geratenen Bäume in der Rheinischen Tiefebene blühten und sahen sehr imposant aus. Selbst die Tiere genossen das wunderbare Wetter, die Vögel zwitscherten und im hohen Gras zirpten die Grillen. Am Abend vor der Eröffnung des Jahrmarktes war Silvia bei den von Dürrens zum Abendessen eingeladen, um noch das ein oder andere Thema zu besprechen. Offenkundig hatten alle am Tisch Freude und es dauerte sehr lange, bis anschließend alle in ihre Zimmer zum Schlafen gegangen waren. Etwas Besonderes hatten sich Silvia und Christian einfallen lassen: Immer bevor der Jahrmarkt um 14 Uhr seine Tore öffnete, wollten die beiden mit Tieren durch den Ort laufen, um auch noch die letzten Einwohner zu erreichen. Man konnte sich zwar kaum mehr diesem Event entziehen, denn überall - ob im Schulhaus, der Poststation oder im Goldenen Anker - wurde von nichts anderem mehr gesprochen. Dennoch hielt man den Tierumzug durch den Ort für eine sehr gute Idee und war fest entschlossen genauso vorzugehen. Und dann war es endlich soweit. Die Tiere waren gefüttert. Die Pfannen waren gesäubert und bereit die Köstlichkeiten zu braten oder zu dünsten, was die meisten in dieser Region noch gar nicht kannten. Sogar Stelzenläufer und Feuerspucker hatte man dieses Mal als Gäste dabei. Besonders stolz war man auf die Feuerspucker, die man auf einer Reise in Asien getroffen hatte. Um 11 Uhr war dann der Start. Silvia und Christian liefen mit zwei Lamas die lange Hauptstrasse entlang und machten erst an der Kirche in Hochstetten halt. Es vergingen nicht viele Minuten, da eilten von allen Seiten der Kirche kleine Kinder herbei und bestaunten die beiden Tiere. Die Kinder durften die Lamas füttern und streicheln und wirklich alle waren darüber überaus glücklich. Als dann die Kirchglocke 13 Uhr schlug, mussten die beiden wieder zum Jahrmarkt zurückkehren. Dann ging es endlich los. Ein Fakir saß an der Kasse und ließ die zahlreich erschienenen Gäste hinein. Ein tolles Fest hatte begonnen und auch der Kirchenchor aus Hochstetten war gekommen, um dieser Veranstaltung den richtigen musikalischen Rahmen zu bieten. Bis tief in die Nacht hinein waren die Stimmen der Leute und die seltsamen Geräusche der Tiere zu hören. Das Fest sollte 14 Tage andauern, bis sich das Bonobo-Pärchen ausgerechnet am letzten Tag während eines Spaziergangs von den Leinen losriss und in den Hardtwald entlief. Die Aufregung war sehr groß, denn genau dieses Affenpärchen war der ganze Stolz des Jahrmarkts und an jedem Ort das absolute Highlight. Ganz Hochstetten hatte sich nun auf die Suche gemacht, um die Tiere zu finden. Das war jedoch kein leichtes Unterfangen, denn die Rheinebene mit ihrem milden Klima sorgte unter anderem für ein besonders gutes Wachstum der Pflanzen und der Hardtwald war bekannt für seinen sehr dichten Wald. Außerdem waren die Baumkronen außergewöhnlich dicht, so dass es an bestimmten Stellen im Wald auch sehr dunkel war, denn die Lichtstrahlen hatten es sehr schwer bis auf den Waldboden herabzureichen. Rings herum um den Hardtwald hatten die angrenzenden Bauern ihre Obstbäume gesetzt, so dass die Bonobos - sollten diese aus dem Wald herauskommen - direkt in ein Futterparadies laufen würden. Weitere vier Wochen verlängerten die Gibaldis ihren Aufenthalt in Hochstetten, um vielleicht doch noch eine Chance zu haben, das Affenpärchen wieder mit auf die Reise nehmen zu können. Doch dann mussten sie sich wieder von der Hannafreeds (Gänsewiese) aufmachen und mit ihrem orientalischen Jahrmarkt weiterziehen, denn das nächste Ziel war Kehl. Christian von Dürren versprach Silvia, sofort einen Boten mit einer Nachricht zu schicken, sollte er irgendeine Information von den Bonobos haben. Abermals vergingen einige Jahre und im Gasthaus Zum Goldenen Anker wurden die verrücktesten Geschichten über das entlaufene Affenpärchen erzählt. Mal hörte man seltsame Laute aus dem Wald, mal wurden Apfelbäume ohne Obst entdeckt, aber es gab natürlich hunderte andere Erklärungen für diese Phänomene. Und so blieb Christian nichts anderes übrig als abzuwarten und zu hoffen, dass die Affen eines Tage zurückkehren würden. Die Zeiten in Hochstetten wurden wieder turbulenter. Die beiden Festungen in Philippsburg und in Rastatt wechselten sich immer wieder ab und waren mal in deutscher Hand oder mal unter der französischen Flagge geführt. Im Jahr 1733 bis 1738 sollten dann auch noch die Polnischen Erbfolgekriege andauern. Aufgrund der unruhigen Zeiten hatte die Familie von Dürren ganz versäumt, den Gibaldis mitzuteilen, dass diese ihren großen Edelstein, den „Lapislazuli“, in ihrem Zimmer hatten liegen lassen. Man kann das wohl verstehen, denn die Bewohner der Oberreihnischen Tiefebene durchlebten nach dem Weggang der Gibaldis wirklich unruhige Zeiten mit Hungersnöten und Seuchen. Damit mussten die Menschen in der Region erst einmal klar kommen. Zum Glück hatte man den Fischfang in Hochstetten direkt vor der Haustüre, sonst wäre es für die Bewohner des Orts noch schwieriger gewesen. Es vergingen wieder viele, viele Jahre. Es floss eine Menge Wasser den Rhein hinunter und auch über die Ufer fand der Rhein mehrere Male seinen Weg, wenn es zu viel geregnet hatte, bis im Jahre 1776 wieder ein Bote bei den von Dürrens am Burgtor anklopfte. Es muss wohl schon Oktober gewesen sein, denn die Blätter fielen bereits von den Bäumen und der Gast wurde in Kaminzimmer der Familie gebracht. Christian war schon ein sehr alter Mann und saß mit seinem Sohn, den er auch Christian genannt hatte, im Kaminzimmer. Christian junior, den sein Vater liebevoll „Kletti“ nannte, weil er überall hochkletterte, durfte bei seinem Vater bleiben, um den Worten des Boten zu lauschen. Der Bote, der von den Gibaldis geschickt wurde, berichtete, dass am 4. Juli 1776 die amerikanische Unabhängigkeitserklärung unterschreiben wurde und dass es nun in Amerika wohl wesentlich weniger Kriege geben sollte. Der Senior des Hauses hatte sogar eine Abschrift dieser Erklärung erhalten und las diese sofort durch. Der junge Kletti erhielt währenddessen die Botschaft, dass sie den Edelstein behalten durften und was man mit diesem Besonderes machen konnte. Das Außergewöhnliche an diesem Stein war, dass man diesen erhitzen und anschließend abkühlen lassen musste, dann konnte man ihn mit einem Stößel zerkleinern. Dabei entstand dann ein tiefblaues Pulver, welches man zu Färbung von Gegenständen verwenden konnte. Das Blau, die Farbe des Vertrauens, des Glaubens und der Treue, sollte der Familie von Dürren und deren Angestellten den Mut geben, die unruhigen Zeiten am Rhein zu überstehen. Bis zum heutigen Tage ist dieses Blau eines der teuersten und schönsten Farben auf der Welt. Der Senior, der mittlerweile seine Abschrift durchgelesen hatte, war den Tränen nahe und bedankte sich bei seinem Gast für die doch sehr schnell übermittelte Nachricht. Er bestand darauf, dass der Bote - wie es auch schon Tradition war - bei ihnen eine Nacht schlafen sollte, um sich von der langen Reise auszuruhen. Als der Bote zu Bett ging und Kletti alleine mit seinem Vater im Kaminzimmer war, fragte dieser seinem Vater kleine Löcher in den Bauch. Christian von Dürren versprach seinem Sohn, ihm am nächsten Tag die Bücher seiner Vorfahren zu geben, damit er diese durchlesen konnte. Kletti wollte unbedingt alles erfahren, was es mit den Gibaldis und den verschwunden Bonobos auf sich hatte. Und dann gingen Vater und Sohn zu Bett.

 

Episode VII

 

Ein schöner Morgen begann, die Vögel zwitscherten und durch das Fenster kamen Sonnenstrahlen hindurch, die Kletti an der Nasenspitze kitzelten. Langsam machte er die Augen auf und musste sofort an den gestrigen Tag denken. Er beschloss sofort ins Schlafzimmer seiner Eltern zu rennen und sich die Bücher geben zu lassen, welche sein Vater ihm gestern zum Lesen versprochen hatte. Kurze Zeit später hatte Kletti alle Bücher in sein Zimmer geschafft und fing sofort an darin zu lesen. Er vergaß total die Zeit um sich herum und hörte nicht einmal seine Mutter rufen, die ihn zum Mittagessen holen wollte. Als er dann aber irgendwann doch Hunger verspürte und er zum ersten Mal auf seine Uhr an der Wand schaute, war es bereits 18 Uhr. Schnell sauste er die Treppe hinunter in den großen Wohnraum, an dem schon die ganze Familie aß. Sein Vater konnte in seinem Gesicht erkennen, dass ihn die gesamte Familienchronik sehr berührt hatte. Und er fragte ihn, was er jetzt vorhabe, nachdem er die Geschichte der Familie kenne. Kletti antwortete sofort: „Ich möchte das Bonobo-Pärchen finden und, wenn dieses noch leben sollte, möchte ich es nach Dublin zur Familie der Gibaldi zurückbringen.“ Der junge von Dürren konnte an gar nichts anderes mehr denken als an die vermissten Affen. Außerdem war seine Familie schon lange nicht mehr in Dublin gewesen und schon das alleine war für ihn Grund genug dorthin zu reisen. Jedoch wollte er keineswegs mit leeren Händen dort aufschlagen.

Am nächsten Morgen nahm Kletti den Seesack seiner Familie und füllte ihn mit allerlei Dingen wie z.B. mit Seilen, Steigeisen, Früchten, Wasser, Honig, blauer Farbe, einem Kompass und einem Block, der in einer Lederhülle steckte, um die beobachteten Sachen gleich an Ort und Stelle festzuhalten. Nun lief er mit den ganzen Sachen in den Hardtwald hinein. Im Wald angekommen markierte er den ersten Baum mit einem großen blauen „D“, damit er später noch wusste, wo er seine Suche zuerst begonnen hatte. Ungefähr 1000 Fuß ging er in den dicht bewachsenen Wald hinein, bis er an einer großen Eiche halt machte. Auch diesen Baum markierte Kletti mit einem blauen „D“ und befestigte verschiedene Früchte an diesem Baum, um die Äffchen zu ködern. Keine 20 Fuß entfernt war eine sehr groß gewachsene Fichte mit sehr stark ausgebildeten Ästen. Hier beschloss er hinauf zu klettern und diesen Baum als Beobachtungsposten zu nutzen. In der Baumkrone machte er es sich gemütlich und zog nun den Seesack, den er zuvor an einem Seil befestigt hatte, hinaus. Hier oben fand er es herrlich, der frische Wind ,die gute Waldluft und die Geräusche der Waldbewohner. Nur der Specht, der vor einigen Minuten angefangen hatte sein Nest zu bauen, störte ihn ein wenig. Am späten Nachmittag stieg er wieder vom Baum herab, ging nach Hause und erzählte seinen Vater, was er heute gemacht hatte. Sein Vater war nicht ganz so begeistert von diesem Alleingang, aber solange er am Hofe seiner Arbeit nachging, gewährte er ihm diese Tätigkeit.

Viele Tage vergingen und Kletti hatte schon ein Dutzend kleiner Aussichtspunkte im Hardtwald bezogen. Als er an einem Sonntag-Vormittag unmittelbar nach der Kirche seinen ersten und liebsten Horst heraufgestiegen war, entdeckte er einen Eber. Er traute seinen Augen kaum, aber auf dem Rücken dieses Tieres war ein großes Büschel Haare, welches den Haaren eines Äffchen sehr ähnelte. Da Wildschweine sehr weite Wege zurücklegten, kam Kletti zu dem Entschluss, dass er die Suche ausweiten musste und nicht nur unmittelbar um Hochstetten suchen sollte. Ihm war jetzt klar: Wollte er seine Erfolgschancen erhöhen, würde er viele viele Orte weiter weg seinem Hobby nachgehen müssen. Seine Eltern waren von dieser Idee noch weniger begeistert als von der ersten, wollten ihrem Sohn aber abermals die Möglichkeit hierzu geben, solange er montags bis freitags seiner Arbeit am Hofe nachkommen würde. So sollte es geschehen ... und damit er den Gottesdienst wahrnehmen konnte, wollte er jedes Wochenende in einer anderen Gemeinde Ausschau halten und würde so dennoch den Gottesdienst besuchen können, was seiner Mutter besonders wichtig war. So war es ihm möglich seine Suche systematisch auszuweiten. Wieder einmal sollten einige Jahreszeiten vorüber gehen, bis er eines Tages eine interessante Geschichte am Hofe seiner Eltern hörte. Man erzählte sich, dass der württembergische Herzog Eberhardt Ludwig aus Ludwigsburg vor einiger Zeit 300 Glaubensflüchtlinge aus den französischen/savoyischen Alpen in sein Land aufgenommen habe und diese wohl als Gründungsväter der Gemeinde Grossvillars in Frage kamen. Besonders interessant an den Erzählungen fand er jedoch, dass durch Beziehungen nach England und in die Niederlande hinein einen Erbauung einer Kirche aus Stein ermöglicht wurde. Kletti war bereits in den Genuss gekommen und hatte schon einige Kirchen besuchen dürfen, aber eine Kirche, die durch verschiedene Einflüsse anderer Völker finanziert und erbaut wurde, hatte er bis dahin noch nicht besucht. Also beschloss Kletti immer am Freitag mit seinem Pferd los zu reiten und die Suche nach seinen Bonobos in Grossvillas auszuweiten. Seine Unterkunft bezog der junge von Dürren in dem Weingut „Kelterhof“, hier wies man ihm ein kleines Zimmer oberhalb der angeschlossen Wirtschaft zu. Die Familie Schäufele bewirtschaftete dieses Anwesen und hatten eine junge Tochter namens Michaela, die fast im gleichen Alter war wie der junge Kletti. Durch die regelmäßigen Besuche von Kletti im Weingut freundeten sich die beiden, Michaela und Kletti, an. Und von nun an begleitete Michaela den jungen von Dürren doch immer öfter auf seinen kleinen Expeditionen, um die Bonobos zu finden. Die Beiden hatten einige Wälder durchquert, eine Vielzahl von Bäumen markiert und man konnte sagen, dass sie seit einigen Wochen ein Paar geworden waren. Aber niemals zuvor war Michaela in Hochstetten und so beschlossen die Beiden im Jahr 1802 im Sommer die Reise nach Hochstetten anzutreten, um auch die Eltern von Kletti kennenzulernen. Ein kleines Sommerfest fand am Hofe seiner Eltern statt und so stiegen die beiden auf die Pferde und machten sich auf den Weg nach Hochsttetten. Als die beiden auf einem Hügel in Untergrombach standen, auf der auch eine kleine Kapelle erichtet war, stieg Kletti vom Pferd herab und zeigte Michaela wo Hochstetten lag, denn von hier oben hatte man bei gutem Wetter ein tolle Aussicht. Hier oben war immer ein schönes Lüftchen und die Vögel sangen vor sich hin – aber plötzlich wurde es still und man konnte hören, dass irgendetwas von Ast zu Ast sprang und das auch noch ziemlich schnell. Die beiden verhielten sich still und dann konnten sie es beide kaum fassen - ungefähr acht Bonobo Äffchen sprangen direkt vor ihren Augen von Baumkrone zu Baumkrone! Abermals markierten sie die Bäume, aber diesmal mit der Gewissheit, es gab sie also wirklich, die Äffchen. Für Kletti war es ein besonderes Gefühl, er konnte also eventuell die Affen zur Familie Gibaldi zurückbringen. Das junge Pärchen stieg auf ihre Pferde und galoppierte zum Hofe der von Dürren. Beide rannten ins elterliche Haus von Klettis Eltern, um die frohe Kunde zu überbringen. Und die von Dürren holten erst einmal etwas zu trinken für die Beiden und sprachen beruhigend langsam mit Ihnen, um die jungen Leute etwas zu erden. Beim späteren Abendessen erzählten die Beiden, was sie in Grossvillars so erlebt hatten und ganz besonders, was heute in Untergrombach passiert war. Eine angeregte Kommunikation herschte am Tisch und man versuchte zu ergründen, wie man denn die Äffchen fangen können. Aber etwas Hilfreiches war wohl nicht dabei und so gingen alle am späten Abend zu Bett. Am nächsten Morgen beschloss man große Fischernetze als Fangnetz für die Bonobos mitzunehmen, um damit die kleinen Ausreißer zu fangen. Desweiteren wollte man Holzkisten mitnehmen, um die Affen im Erfolgsfall transportieren zu können. Da es bei dieser kleinen Expedition nicht mit zwei Pferden getan war, beschloss man mit zwei Kutschen aufzubrechen. Auf dem kleinen Berg in Untergrombach angekommen schlugen sie ihre Zelte auf. Es gab jeweils ein Zelt für Michaela und Kletti sowie jeweils zwei einzelne Zelte für die beiden Begleiter, die sie mitgenommen hatten. Der Morgentau lag noch auf dem feuchten Waldboden, da legten die vier schon los und befestigten die Fangnetze in den Baumkronen. Jeweils unter den Netzen wurden Früchte ausgelegt, um die Äffchen zum Verweilen zu bewegen. Die vier waren gerade mit Ihrer Arbeit fertig und setzen sich zu ihren Zelten um etwas Wasser zu trinken, da sprangen schon 8 Bonobos durch die Bäume direkt unter Ihnen. Es war herrlich anzusehen und gleich sollten sie auch die Fangnetze erreichen, doch diese Tiere waren so schnell und geschickt, dass sie nur die Früchte mitnahmen, aber die Netzfalle nicht auslösten.

Kletti konnte es gar nicht fassen, es war eine Katastrophe! Jetzt hatten sie die Äffchen zwar schon zum zweiten Mal gesehen, aber konnten auch wirklich gar nichts tun, um diese festzuhalten. Auch abends am Lagerfeuer war den Vieren die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben. Da kam ihm eine Idee. „Es ist nicht wichtig, dass wir beim ersten Mal den ganzen Affen fangen müssen, es sollte ausreichen, wenn wir seine Pfote erreichen würden.“ Die anderen drei schauten ihn fragend an: „Was meinst Du genau damit?“. In den Büchern seiner Ahnen hatte er gelesen, dass Affen zwar sehr schlaue Tiere sind, aber auch unwahrscheinlich habgierig – sprich, wenn sie einmal etwas in der Hand hielten, ließen sie dies nicht mehr los. „Wir müssten nur eine Konstruktion haben, in die eine Hand hinein-passt, aber wenn man im Inneren eine Faust gebildet hatte, um zum Beispiel einen Apfel herauszuziehen, würde diese nicht mehr hindurchpassen. In den Korpus der Konstruktion müssen wir nur ein paar Löcher bohren, damit die Bonobos die Früchte riechen konnten und schon hätten wir den Affen und müssten ihm nur ein Seil um den Körper legen und wir hätten diesen gefangen.“ Gesagt, getan... alle machten sich am nächsten Tag an die Arbeit und bauten vier kleine Holzkisten und bestückten diese mit größeren Früchten wie Äpfel und Birnen. Man hatte vor - sollte der Clou aufgehen - zwei Alttiere und zwei Jungtiere mit nach Hochstetten zu nehmen. Man dachte sich, die anderen Tiere in den Rheinauen zu lassen, damit diese sich eventuell auch weiterhin fortpflanzen konnten. Die Sonne war schon fast untergegangen, da hörte man auf einmal wieder Affengeschrei aus dem Wald. Und einen kurzen Augenblick später sahen sie jetzt tatsächlich 9 Bonobos und diese kamen direkt auf ihre Holzkisten zu. Zwei der neun Äffchen setzten sich direkt vor die Holzkisten. Sie streckten ihre Pfoten durch die Öffnung und hielten die Früchte fest in der Hand und freuten sich so sehr, dass auch zwei weitere Bonobos zu den beiden anderen Kisten kamen. Jetzt war die Gelegenheit günstig und jeder nahm sich ein Halsband und warf es über den entsprechenden Affen. Sie hatten es geschafft, vier Bonobos waren in den Händen der Familie von Dürren! Die Freude war sehr groß und als sie sich wieder beruhigt hatten, beschlossen sie, nichts von den anderen 5 Äffchen im Ort zu erzählen, damit diese in Ruhe weiterleben konnten. Noch am Abend wurden alle Sachen auf die Kutschen gepackt und auch die Affen wurden artgerecht eingeladen und mit viel Bananen versorgt, so dass die ganze Truppe froh gelaunt nach Hochstetten aufbrach. Als man im Hof in Hochstetten ankam, waren die Glücksgefühle aller am Hofe riesengroß. Dennoch beschloss man, erst am nächsten Morgen beim Frühstück zu planen, wer wann nach Dublin aufbrechen wollte. Beim Frühstück sprach dann der Hausherr von Dürren vor allem zu Kletti und Michaela hörte zu: „Wir haben das Jahr 1802 und es stehen uns sehr unruhige Zeiten ins Haus. Viele Familien haben sich entschlossen den Ort zu verlassen - wie die Familie Meinzer, die die Bäckerei betrieben hat. Und auch der Schuhmacher Hofmann verlässt Hochstetten in Richtung Amsterdam. Aktuell liegt auch allen Bürgern ein lukratives Angebot vor, nach Polen oder in die Sowjetunion zu reisen und man lockt mit 30 Jahre Steuerbefreiung. So verändert sich die Einwohnerschaft durch Zuwanderer und Abwanderer nicht nur zahlenmäßig, sondern auch in ihrer genealogischen Zusammensetzung. Deshalb würde ich euch, Michaela und Kletti, folgenden Vorschlag machen. Nehmt am Wochenende das Schiff und brecht auf in Richtung Dublin und bringt den Gibaldi die verlorenen Bonobos zurück! Ich gebe euch so viele Goldstücke mit, dass ihr ohne Sorgen ein paar Jahre auf der Insel bleiben könnt, bis sich die Situation mit den Bürgern, die kommen und gehen, wieder beruhigt hat. Einen Boten werde ich heute noch losschicken, um die frohe Kunde der Familie Gibaldi zu überbringen.

Episode VIII

 

Michaela und Kletti mussten nicht lange überlegen und fanden die Idee, mit den Äffchen nach Dublin aufzubrechen, gut – jedoch wollten sie sich noch ein paar Wochen auf die Reise vorbereiten und auch ihren Freunden mitteilen, dass sie für unbestimmte Zeit Hochstetten verlassen würden. Damit die Bonobo-Äffchen die Reise auch gesund und munter überstehen konnten, sollten große Transportkisten hergestellt werden. Kletti ließ beim ortsansässigen Schreiner die vier Holzkisten anfertigen, aber die Umsetzung sollte 4-5 Wochen dauern. Michaela kam die Verzögerung entgegen und so entschloss sie sich, zu ihren Eltern zu reiten, um ihnen und auch ihren Freundinnen von der langen anstehenden Reise persönlich zu berichten. Auch Kletti nutze die nun zusätzlich entstandene Zeit und wollte nochmal die Bücher seiner Ahnen studieren, um genauer zu sehen, welche Reiseroute seine Verwandten damals zu welcher Jahreszeit genutzt hatten. Und so vergingen die Tage der Dürrens wieder wie im Flug. Keine 2 Wochen später kam Michaela mit einer Kutsche zu der Familie Dürren zurück und hatte allerlei Koffer und Hilfsmittel mit dabei. Eine große Staffelei fiel Kletti beim Ausladen gleich ins Auge und er fragte Michaela sofort, was sie denn damit vorhatte, schließlich war das Teil ganz schön sperrig. Michaela antwortete sofort: „Ich muss doch für meine Eltern alles bildlich festhalten!“. Und so hatte sie auch verschiedene Pinsel und Farben mit dabei. Am 08.08.1802 war es dann endlich soweit: die Holzkisten waren produziert, alle Bekannten und Verwandten waren informiert und das Schiff, die MS Karlsruhe, stand am Rheinufer km 376 für Kletti und Michaela zur Abfahrt bereit. Weil so viele Dinge mitzunehmen waren, durften die beiden Angestellten, die mit Michaela und Kletti auch schon die Bonobos eingefangen hatten, ebenfalls mitfahren. Es war eine große Verabschiedung am Rheinufer; viele Freunde und Verwandte waren gekommen, um den Reisenden am Ufer viel Glück für die lange Überfahrt zu wünschen. Und nicht nur Michaela kullerte eine kleine Träne über die Wange. Viele Tage vergingen wieder und sie fuhren den Rhein hinab, bis sie dann wieder in Holland ankamen. Obwohl Kletti eigentlich eine Pause in Holland an der Küste einlegen wollte, bevor er mit einem noch größeren Schiff übers Meer setzen wollte, entschloss er sich kurzer Hand, die Fahrt direkt weiterzuführen - ohne zusätzliche Übernachtung auf dem Festland, denn es herrschten herrliche Winde und das Wetter war allerfeinst. Und so wurden abermals das gesamte Gepäck und die vier Holzkisten auf das neue Schiff verladen und weiter ging die Fahrt in Richtung Dublin. Michaela und Kletti mit ihren beiden Begleitern waren beeindruckt von dem vielen Wasser, denn nie zuvor waren die vier am Meer gewesen. Man war gerade einige Tage auf See, da wurde die Stimmung auf einmal schlechter, denn die Äffchen verweigerten das Essen und selbst die Bananen, die immer geholfen hatten, wurden links liegen gelassen. Kletti machte sich ganz schön Sorgen und überlegte und überlegte, wie er die Lage der Bonobos wohl positiv beeinflussen konnte. Er legte sich auf den Schiffsboden und schaute in den Himmel und die Sonnenstrahlen kitzelten seine Nasenspitze. Wenige Momente später schlief Kletti ein, die Sonne und das schaukelnde Schiff taten das ihre dazu. Im Traum sah Kletti einen Urwald und viele Lianen, an denen die Tiere von einem Ast zum anderen schwangen. Plötzlich wurde Kletti geweckt, ein großer Wal war neben dem Schiff aufgetaucht und hatte eine riesige Fontäne Wasser ausgestoßen , die jetzt auf Klettis Gesicht landete. Er machte die Augen auf und sah die vier Schiffsmasten und die vielen Seile, die die Segeltücher festhielten. „Mensch, das ist die Lösung!“, rief Kletti. „Wir müssen die Äffchen aus ihren Kisten lassen, die müssen sich bewegen und klettern, schließlich können sie ja auf dem Schiff nicht weglaufen.“ Alle fanden die Idee toll und dem Wal neben dem Schiff schien es ebenfalls zu gefallen, denn er schickte einen Wasserstoß nach dem anderen auf das Schiff. Sofort wurden die Bonobos freigelassen und obwohl der glatte Schiffsboden gewöhnungsbedürftig war, schlichen die Äffchen langsam auf die Masten zu und „schwuppdiwupp“ waren alle vier oben und sprangen von Seil zu Seil. Damit sie auch weiterhin zumindest einmal am Tag zu ihren Kisten kamen, wurde dort immer das Essen und Trinken platziert, so dass man bei der späteren Ankunft keinen zusätzlichen Stress mit dem Einfangen haben sollte. Eine Woche später erreichten sie das Festland und alles wurde wieder in die Kisten verstaut und auf zwei bereitstehende Kutschen gepackt. Der Bote, den der Vater von Kletti bereits einige Wochen zuvor nach Dublin geschickt hatte, hatte den Gibaldis seine Nachricht überbracht, so dass ein schönes Fest auf die Ankommenden warten sollte. Über Stock und Stein fuhren die beiden Kutschen und ließen einen Hügel nach dem anderen hinter sich. Kletti und Michaela waren überwältigt von dem saftigen grünen Gras und den unendlich vielen Schafen, die überall auf den Wiesen standen. Auf einem Hügel konnten sie dann in der Ferne ein kleines Schloss sehen und umso näher sie kamen, desto lauter konnten sie die Musik spielen hören. Nun standen auch am Wegesrand kleine Häuser und viele Kinder kamen heraus, um Kletti und Michaela sowie ihre Begleiter willkommen zu heißen. Am Schloss angekommen nahm Silvia Gibaldi die vier in Empfang und erzählte ihnen gleich, dass ein kleines Dorffest anstand, denn das hatte mittlerweile Tradition. Alle freuten sich sehr darüber und erzählten auch sofort, was sie alles auf der langen Überfahrt erlebt hatten. Am Abend auf dem Fest erzählten die Gibaldis, was sich in den letzten Jahren alles auf der Insel zugetragen hatte, und man wollte selbstverständlich auch wissen, was sich im Badner Land zugetragen hatte. Nun berichtete Kletti und mit doch etwas trauriger und leiser Stimme sagte er, dass es momentan sehr unruhige Zeiten im Land gab, so dass sein Vater empfohlen hatte, hierher zu kommen, um für unbestimmte Zeit hier zu bleiben. Nach langen Gesprächen und der ersten Nacht im Schloss beschloss Kletti am nächsten Tag, den Boten zurück zu seinen Eltern zu schicken, um die frohe Kunde zu übermitteln, dass alle gesund und munter auf der Insel angekommen waren. Michaela machte sich nach dem Frühstück gleich auf, um ihre Staffelei aufzubauen und das erste Bild zu malen. Und die zwei Begleiter brachten die vier Äffchen hinüber zu den Gibaldis. Kletti machte sich ans Werk und packte alle Dinge aus und erkundete erstmal das Schloss. Am zweiten Tag fielen beide total erschöpft und überwältigt von den ganzen Eindrücken bereits um 19 Uhr ins Bett und schliefen ein. Einige Monate später hatten sich alle sehr gut eingelebt und im darauffolgenden Jahr kam der erste Nachwuchs, ein kleiner Sohn, auf die Welt. Viele Jahre gingen für die beiden Familien ins Land und die Botschaften aus dem deutschen Land waren nicht die besten. So gab es 1848/1849 die badische Revolution, die auch in Hochstetten zu spüren war, und 1870/1871 den Deutsch-Französischen Krieg.

Episode IX

 

Beide Familien, die Gibaldis und die von Dürrens, entwickelten sich in den folgenden Jahren prächtig. Während die Gibaldis ein kleines Imperium in Sachen Jahrmarkt mit angeschlossenem Zirkus aufbauten, konnten die Nachfahren von Kletti und Michaela eine der bekanntesten Whiskysorten produzieren und exportierten diese weltweit. Der junge Mann, der die Geschäfte der Gibaldis leitete, war Dustin und dieser war eng befreundet mit Matthias, der die Angelegenheiten der von Dürrens vertrat. Matthias und Dustin trafen sich regelmäßig bei einem Whisky-Tasting und schmiedeten Pläne, wie sie die ein oder andere Sache in ihren Unternehmen ändern konnten und was es für neue Ansätze gab, um positive Veränderungen voranzutreiben. Nun ja, die zwei Freunde waren kreative Köpfe und hatten allerlei verrückte Ideen. Es war der 31.10.1910, an dem beschlossen wurde, die Insel zu verlassen, um auf das Festland überzusiedeln. Die Geschäfte sollten bei beiden Familien jeweils an einen Vertrauten übergeben. Die jungen Herren kannten die Insel nun schon in- und auswendig und wollten einfach etwas Neues erleben. Sie hatten von Pionieren in Europa und Amerika gehört und nahmen sich vor, den ein oder anderen persönlich kennenzulernen. So stand z.B. Richard Wagner, ein deutscher Wasserflugzeugpionier, auf der Liste, wie auch Winston Churchill, Sigmund Freund oder Wilhelm II. . Sie wussten nicht, was sie in Europa erwarten sollte, aber sie freuten sich sehr auf diese Reise. Dustin hatte in unzähligen Gesprächen von Matthias gehört, welche Schätze an Büchern in der Familie von den bisherigen Reisen vorhanden waren und er drängte seinen Freund so lange, bis dieser endlich die Bücher holte. Gleich begannen die beiden Freunde ein Buch nach dem anderen zu verschlingen und nach einigen Tagen war es klar. Sie wollten nach Hochstetten reisen und dort eventuell auch längere Zeit bleiben! Es war beeindruckend, welche Erzählungen sie lesen durften und gleichzeitig wurde ihnen klar, dass die Familien meistens dann die Standorte wechselten, wenn unruhige Zeiten anstanden. In ihrer jetzigen Situation war jedoch alles bestens. Sollten sie dennoch aufbrechen? Ja, denn die unbändige Neugier ließ den beiden keine andere Wahl! Die jungen Männer waren Junggesellen und mussten sich nicht erst von ihren Frauen verabschieden - und so brachen sie am 03. November 1910 auf, um die Reise nach Hochstetten anzutreten. Klar wollten sie die erste Nacht in Hochstetten im Goldenen Anker verbringen, sofern es diese Unterkunft noch geben würde. Dann sollte die Abenteuerreise endlich beginnen und nach einigen unruhigen Tagen auf See kam man doch gut in Holland auf dem Festland an. Und die Tulpen, die schönen Frauen und die vielen Tabakläden gefielen den beiden so gut, dass noch die ein oder andere Nacht in den unzähligen Windmühlen anstand. Am 16.12.1910 kamen sie dann am späten Abend im Goldenen Anker in Hochstetten an. Von einem ruhigen Gasthaus konnte nicht die Rede sein, denn als die beiden Herren ins Gasthaus eintraten, waren unwahrscheinlich viele Leute im Gasthaus. Man konnte aber relativ schnell sehen, dass es sich hier wohl um eine Versammlung handelte. Später stellte sich heraus, dass sich hier die ortsansässigen Ortsvereine trafen und von der Freiwilligen Feuerwehr über den Viehversicherungsverein, dem Bäuerlichen Kreditverein und dem Landwirtschaftlichen Konsumverein bis hin zum Gurkenbauverein waren alle Vereine des Ortes vertreten. Nachdem sie mit einigen Vereinsvertretern ins Gespräch gekommen waren, wurde beiden klar, dass es hier nicht wesentlich anders zuging als bei ihnen auf der Insel. Jedoch schienen Sportsvereine im Ort ein wenig zu kurz zu kommen. Nach einem langen Tag gingen nun beide auf ihre Zimmer und freuten sich, den Ort am nächsten Tag auch im Hellen zu sehen. Nach dem Frühstück gingen sie zum Anwesen von Matthias und waren überrascht, wie gut der Hof aussah. Kaum waren die beiden auf dem Grundstück, kam auch gleich der Verwalter und fragte, was die beiden denn wollten. Daraufhin zog Matthias ein Schriftstück, auf dem stand, dass er der rechtmäßige Erbe dieses Anwesens war, aus seiner Jacke, und zeigte es dem Verwalter. Matthias und Dustin kümmerten sich ab jetzt gemeinsam um die Tabakplantage und bauten auch noch ein Gästehaus für Dustin, welches er genau nach seinen Vorstellungen ausstattete. Beide waren von nun an viel unterwegs und erkundeten die ein oder andere Stadt. Als Dustin von seiner Reise aus Turin zurückkam, brachte er eine Frau an seiner Seite mit, die Andrea hieß. Auch Matthias wusste, dass nun die Zeit gekommen war, ebenfalls eine Frau zu suchen. Und so sah es sein Schicksal vor, dass auch er nicht alleine zurückkam von einer Reise aus dem schönen Bayern. Daniela, so hieß die Frau an seiner Seite, war ihm auf einem Wohltätigkeitsball begegnet und es hatte sofort gefunkt. Beide Paare verstanden sich auf Anhieb prächtig und alles schien sehr gut zu laufen; man hatte auch den ein oder anderen Pionier getroffen, als im Jahr 1914 ein Bote bei den Vieren auftauchte und die Nachricht überbrachte, dass der erste Weltkrieg kurz bevorstand. Alle waren von dieser Botschaft geschockt, was sollte man jetzt nur machen? Sollte man, wie ihre Familien in der Vergangenheit es auch getan haben, die Reise auf die Insel antreten? Nein – beide Paare wollten hier bleiben! Matthias wollte sich zum Dienst in der Luftwaffe melden und Dustin zog es vor, seinen Amtsantritt bei den deutschen Infanteristen vorzunehmen. Schnell wurden die beiden jeweils in ihren Reihen befördert, so dass ihnen das Privileg zuteil wurde, Heimatbesuche auch während der Kriegszeit durchführen zu können. So war es im Jahre 1915, als die Herren zu ihren Frauen an den Hof zurückkehrten und von den unschönen Dingen erzählten, die sie bis jetzt erlebt hatten. Daniela und Andrea berichteten ebenfalls, was sich zu Hause abgespielt hatte und beide Damen fragten Matthias und Dustin, ob es nicht möglich wäre, einen Mann der Reserve hierher abzustellen, der ihnen am Hofe zur Hand gehen sollte. Schnell waren sich alle einig, dass dies sinnvoll wäre, und da sie dazu auch von ihrem Rang beim Militär her in der Lage waren, wollten sie einen entsprechend geeigneten jungen Mann nach Hochstetten abstellen. Und so kam es, dass Marcus nach Hochstetten kam, um am Hof zu helfen und den beiden Frauen zur Hand zu gehen. Zum Glück ging der Krieg im Jahr 1918 zu Ende und Matthias und Dustin kehrten unversehrt zu ihren Frauen an den Hof zurück. Marcus hatte über die Jahre die Tabakplantage extrem ausgebaut, denn in Kriegszeiten war die Nachfrage nach diesen Artikeln extrem gestiegen. Und so durfte Marcus auch nach der Rückkehr der beiden am Hofe bleiben. 1919 begann die Zeit der Weimarer Republik und 1931 bekamen beide Familien fast zeitgleich Nachwuchs. Dies wollte man nun mit einer riesigen Doppelhochzeit feiern. Lange hatte es im Ort nicht mehr so ein schönes Fest gegeben und keine 4 Monate später bekamen Matthias und Daniela einen kleinen Sohn namens Ralf. Das zweite Pärchen Dustin und Andrea zeugten eine kleine Tochter, die auf den Namen Jasi hören sollte. Es hätte alles auch so schön weitergehen können - die beiden Kinder wuchsen in einem sehr schönen und gepflegten Umfeld auf - wenn sich nicht langsam die politische Situation schon wieder geändert hätte und der zweite Weltkrieg anstand. Abermals mussten Matthias und Dustin in den Krieg ziehen und kamen im Jahr 1945 total erschöpft an den Hof in Hochstetten zurück. Die Zeit hatte bei allen ihre Spuren hinterlassen und so beschloss letztendlich die Familie von Jasi, in die Heimat ihrer Ahnen nach Dublin zurückzukehren. Ralfs Familie wollte jedoch in Hochstetten bleiben und nicht nur den Hof wieder aufbauen, sondern allgemein am Neuanfang in Deutschland helfen. Den Familien fiel die Trennung nicht leicht, aber wie die Familiengeschichte der beiden Familien in den letzen 200 Jahren zeigten, verlor man sich ja nie aus den Augen.

Episode X

 

Vieles war zerstört worden im Badener Land und auch viele andere Bundesländer sahen nicht besser aus. So blieb dem immer älter werdenden Ralf nichts anderes übrig, als stark anzupacken und den Aufbau voranzutreiben. Nach vielen Jahren war einiges wieder hergestellt und Ralf blieb nicht viel Zeit, um sich zu überlegen, was er in seiner Freizeit tun könne. Dann kam der Juni 1972 – Ralf war gerade über den Hof gegangen und hatte einen Riss im Boden vor der Tabakscheune gesehen. Schnell holte Ralf einen Besen und eine Schaufel und wollte wissen, was es sich mit dem Riss im Boden auf sich hatte. Nachdem er den Schlitz im Boden doch ein wenig freigelegt und von Schmutz gesäubert hatte, merkte er, dass sich darunter etwas hohl anhörte. Nun nahm er die Schaufel und hackte auf den Boden ein, als er auf eine größere Holztür stieß. Ralf ging nochmal zum Haus zurück und holte eine Taschenlampe und dann war er fest entschlossen, die Tür zu öffnen. Er zog an der Tür, die sich nur sehr schwer öffnen ließ, und kletterte mit seiner Taschenlampe 8 Stufen herab. Als er unten ankam und die Taschenlampe schwenkte, traute er seinen Augen kaum. Hier lagen unzählige Bücher und ein riesiger Seesack mit alten Gegenständen wie ein Kompass oder ein großer blauer Edelstein. Ralf klopfte den Seesack aus und eine große Staubwolke bildete sich in dieser Kammer, so dass er kaum noch Luft bekam. Er war aber zu neugierig, um ohne etwas ans Tageslicht zurückzukehren. Und so nahm er einige Bücher und legte sie behutsam in den Sack und ging schnell wieder nach oben. Eine große Bank stand im Hof unter einer großen Eiche, unter die er sich setze und wahllos ein Buch herausnahm. Komisch, es war kein klassisches Buch sondern eine Ansammlung von Skizzen, die sich darin befand. Vorsichtig blätterte er eine Seite nach der anderen um und dann sah er etwas, was aussah wie kleine Äffchen. Aber was hatte das mit Hochstetten und seiner Familie zu tun? Es ließ ihm keine Ruhe und so ging er jeden Tag in die Kammer und holte ein Buch nach dem anderen nach oben und las die Chronik seiner Ahnen und der beiden befreundeten Familien. Ralf war in die Jahre gekommen und sah wie ein netter Großvater aus und hatte deshalb auch genügend Zeit, sich endlich mal um Dinge zu kümmern, die nichts mit dem Hof zu tun hatten. Und so ging er der Idee nach, im Hardtwald nach den verlorenen Bonobo-Äffchen zu suchen. Die Orte, die in den Büchern beschrieben waren, versuchte er zu finden und versteckte allerlei süße Teile, um die Äffchen anzulocken. An jedem Tag, an dem er auf die Suche ging, nahm er immer noch ein Buch der Familien mit, denn der Fundus war riesengroß und so kam es, dass er von den Anfängen in Hochstetten gelesen hatte. Interessant dabei fand er vor allem, welche Vereine gegründet wurden und sehr ungewöhnlich fand er vor allem den Gurkenverein. Von den Gibaldis, mit denen er regelmäßig schrieb, hörte er, dass Tennis eine Sportart war, die zwar nur für die etwas besser gestellten Familien geeignet war, aber er überlegte sich, ob man das nicht auch einmal in Hochstetten probieren sollte. Warum sollte man nicht mal eine moderne Sportart im Ort anbieten? Er nahm sich vor, hierüber bei Gelegenheit nochmal nachzudenken ... Aber jetzt musste er sich erst einmal um die Suche nach den Äffchen kümmern! Die Suche nach den Äffchen fiel für ihn leider nicht positiv aus, aber im Golden Anker, in den er jeden Sonntag ging, erzählte er ausgiebig von den Dingen, die er gelesen hatte – manchmal auch den Gästen, die es gar nicht hören wollten. Aber im Jahr 1974 fanden einige Altbürger den Gedanken mit dem Tennisverein in Hochstetten gar nicht so schlecht. Ralf überlegte, wo man die Anlage denn platzieren könne und so fiel ihm die Gänsewiese ein. Warum nicht hier, warum nicht heute den Verein gründen? Und so kam es, dass es im Jahr 1974 auch einen Tennisverein in Hochstetten gab. Ralf war zu alt und mit den Jahren auch zu unbeweglich für diesen Sport, aber er ging immer sonntags nach dem Frühshoppen im Grünen Anker auf die Tennisanlage und schaute den jungen Leuten beim Tennisspielen zu. Es war wohl ein besonders warmer August im Jahre 1989, als sich ein kleines Mädchen Namens Elena zu ihm auf die Bank auf der Tennisanlage setze und ihn fragte, warum er denn ein Buch auf der Tennisanlage las. Ralf erzählte, dass er in Erinnerung an seine Familien diese Bücher ab und zu las, um sein Gedächtnis zu schulen und auch im Alter fit zu halten. Elena sah die darin gezeichneten Äffchen und fragte nach der dazugehörigen Geschichte und Ralf erzählte und erzählte... Nun trafen sich beide immer an schönen Sonntagnachmittagen auf der Anlage des TC RW Hochstetten und manchmal waren die beiden auch ganz alleine dort. Ralf fielen ab und zu auch einfach die Augen zu und er schlief neben Elena auf der Bank ein. Hinter dem Zaun der Tennisanlage hörte Elena auf einmal ein seltsames Geräusch, welches dann immer weiter oben in den Bäumen zu hören war. Elena weckte den alten Mann neben sich und zeigte in die Büsche vor sich. Beide trauten ihren Augen nicht, es sah wirklich aus wie ein Äffchen, aber sofort waren das Geräusch und der mögliche Affe auch wieder weg. Elena war ganz aufgeregt, sollte vielleicht doch etwas an der Geschichte der beiden Familien dran sein? Ralf sprach mit ruhiger Stimme: „Wenn es wirklich ein Affe ist, dann locken wir ihn an, wie es in meinen Büchern beschrieben ist.“ Gesagt, getan, beide beschlossen am nächsten Morgen auf die Anlage zu gehen, wenn noch keiner Tennis spielte, um die Köder auslegen zu können. Das machten die beide Tag für Tag und versuchten sich auszumalen, was denn passieren würde, wenn dies wirklich noch die Bonobos wären... Aber Elena sagte zu Ralf: „Brauchen wir nicht dann erst mal einen Namen für das Äffchen?“ Und so überlegten und überlegten sie, Tag ein, Tag aus, bis am 10.04.2016 um 8 Uhr auf einmal ein kleiner Affe direkt vor Ihnen auftauchte. Beide erstarrten - hatten sie doch so lange auf diesen Augenblick gewartet... „Ja, und wie nennen wir jetzt den Bonobo?“, fragte Elena den alten Mann, der mal wieder damit kämpfte, die Augen aufzuhalten. Ralf sprach: „Also, wir sind auf der Clubanlage, wir könnten ihn...“. „Ich hab es!“, sprach Elena. „Wir nennen ihn CLUBI, das klingt doch süß – oder?“ Ralf lachte: „Ja, so nennen wir Ihn! CLUBI klingt klasse!

Wie das Maskottchen des TC RW Hochstetten zu seinem Namen kam!
>> Erfahre mehr!
<<